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FILMSCREENINGS, STADTFÜHRUNG, IMPULSE UND PODIUMSDISKUSSION

 

Drei mal Einzeltäter ergibt einen blinden Fleck. Und das ist vielleicht die größte Leistung der Trilogie von Julian Vogel „EINZELTÄTER: München, Hanau, Halle“. Für sich betrachtet, erzählt jeder der Filme vom Umgang der Hinterbliebenen mit den Folgen eines rechtsextrem motivierten Anschlags. Zusammen enthüllen sie doch so viel mehr: das Hadern eines ganzen Landes, das für die wiederkehrenden Angriffe auf einen Teil seiner Bürger:innen noch immer keinen angebrachten Umgang gefunden hat. Wer wird als Opfer anerkannt und wer vergessen? Wer kann im Ernstfall wirklich auf den Schutz der Polizei zählen? Wer ist beim offiziellen „Wir“ mitgemeint und wer fühlt sich tatsächlich angesprochen?

 

Anhand dieser preisgekrönten Dokumentarfilm-Triologie haben wir eine mehrtägige Kulturveranstaltung konzipiert, die die Konstanten der rechten Gewalt in Deutschland nachzeichnet und gesellschaftliche Narrative darüber kritisch hinterfragt. Besonders gefreut hat uns die Zusammenarbeit mir dem Sommerblut Kulturfestival, welches dieses Jahr unter dem Motto „Demokratie stärken, gegen rechte Positionen“ stattfand und mit seiner Reichweite und seinem Ansehen ein perfektes Zuhause für unsere Veranstaltung bot.

 

Wir zeigten die drei Filme an drei aufeinanderfolgenen Tage im „Raum für alle“ in Köln-Mühlheim: EINZELTÄTER: MÜNCHEN am 02.05., EINZELTÄTER: HANAU am 03.05. und EINZELTÄTER: HALLE am 04.05.2025

Eine Stadttour am Samstag, den 3.5.2025 führte uns zu vier Orten, an denen rechte Gewalt auch in Köln (un)sichtbare Spuren hinterlassen hat. Dort erfuhren wir mehr über diese Taten und die dahinterstehenden Dynamiken sowie über die Folgen für direkt und indirekt Betroffene.

Durch das Verweilen wurden Orte unseres Alltags zu Gedenkorten, an denen Trauer, Solidarität und Aufarbeitung gelebt werden konnten. Expert*innen beleuchteten mit einem kurzen Impulsreferat die Bedeutung jeder der Stationen der Führung: Bengü Kocatürk-Schuster (Initiative Herkesin Meydanı – Platz für Alle), Fatma C. (Betroffene des rassistischen Bombenanschlags in der Platenstraße 1992), Hans-Peter Killguss (NS DOK Köln), Daniel Vymyslicky (Meldestelle für antisemitische Vorfälle) und Martin Rapp (Initiative Tatort Porz).

Mit dem NS DOK konnten wir eine weitere Kölner Institution als Kooperationspartner fürs Projekt gewinnen.
Abgerundet wird die Veranstaltung von einem Abschlusspodium im Rautenstrauch-Joest-Museum. Mit den eingeladenen Expert*innen (politische Bildnerin Birgül Demirtaş, IDA NRW; Aktivist und Künstler Kutlu Yurtseven, Redakteurin Kira Ayyadi, Belltower News  und Filmemacher Julian Vogel) und der Moderation von Filmwissentschaftlerin Canan Turan wurden gemeinsam die Narrative rund um diese Taten untersucht.

Es wurde greifbar, was der Begriff „Einzeltäter“ verschleiert: Die Aneinanderreihung tödlicher Gewalttaten mit rechtsextremen Hintergrund in Deutschland wurde nie unterbrochen.